Worauf unternehmerischer Erfolg wirklich gründet ...

Systematische Marktforschung … penibel ausgearbeitete Business-Pläne … exakte Zielgruppen-Definition … seriös erstellte Absatzprognosen … realistische Ziele … ? - Bleibt zu klären: Wie realistisch kann ein Ziel sein? Wie gewiss können wir die Zukunft und das Verhalten der Kunden vorhersehen? Oder handeln wir dabei nicht vielmehr mit Schein-Sicherheiten?

Die US-Professorin Saras Sarasvathy ist den Erfolgsfaktoren unternehmerischen Handelns in einer Studie auf den Grund gegangen. Ihre Ergebnisse fegen wie ein Orkan über das Dogma der herrschenden Management-Lehren, denn: erfolgreiche Unternehmer und Gründer, so hat sie herausgefunden,

  • versuchen, die Zukunft zu gestalten – nicht, sie vorherzusehen
  • begrüßen Überraschungen, um sie für neue Geschäftsideen zu nutzen, statt sie zu vermeiden
  • haben keine Scheu davor, ihre Pläne, Projekte und sich selbst immer wieder zu hinterfragen
  • konzentrieren sich voll und ganz auf ihre eigenen Interessen, ihr Know-how und ihr soziales Netzwerk

 

Echte Unternehmer – so Sarasvathy, die selbst 5 Firmen gegründet hat, ehe sie sich für die Forschung begeisterte – gehen die Dinge ganz anders an, als es die etablierten Management-Lehren von der Kanzel predigen.

 

Sie arrangieren sich mit der Unsicherheit der Zukunft und setzen auf etwas, das sie „effectuation“ nennt – ein aus dem Bauch und der Begeisterung entspringendes Handeln. Leidenschaft und Freude sind es, die das Feuer des Erfolgs entfachen!


Ein Parade-Beispiel für Planlosigkeit als Wettbewerbsvorteil ist Ricardo Semler. Er ist Inhaber der Semco-Gruppe in Brasilien, ein Unternehmen mit 1.400 Angestellten und über 200 Millionen Dollar Umsatz (2006), und weiß: „Jeder Geschäftsplan ist eine Lüge. Niemand weiß, was sein wird. Planen ist nicht mehr als hoffen, dass am Ende alles so wird, wie wir es uns vorstellen.“


Semler überträgt die „bewusste Planlosigkeit“ auch auf seine Mitarbeiter. „Kontrolle ist eine Illusion“ – Wenn man Menschen Freiheiten gibt, handeln sie verantwortlich. Bei Semler legen Angestellte ihre Arbeitszeiten selbst fest, sie sind am Gewinn beteiligt und suchen sich ihre Chefs selbst aus. „Die Alternative zum Vertrauen existiert doch nur theoretisch. Die Idee, dass am Ende schon das Richtige herauskommt, wenn man jeden Tag alles kontrolliert, ist eine Illusion. Damit verliert man nur Zeit – und am Ende geschehen trotzdem Dinge, die ich nicht gewollt habe und nicht habe vermeiden können. Natürlich machen Menschen Fehler. Aber besser, man lebt damit.“


Einen lesenswerten Artikel über Ricardo Semler gibt es in der September-Ausgabe von brand eins.

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Kommentare: 1
  • #1

    Mag. Andrea Klein (Samstag, 09 Oktober 2010 07:38)

    Buchempfehlung zum Thema:

    Faschingbauer, M. (2010): Effectuation
    Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln; Schäffer-Poeschel, Stuttgart

    Dieses Fachbuch ist für Praktiker geschrieben, die Effectuation in ihren eigenen Vorhaben anwenden wollen. Es wurde vergangene Woche übrigens gerade zum "Managementbuch des Jahres 2010" gewählt (managementbuch.de).