Emotional - oder gar nicht!

Verstand oder Intuition? Vernunft oder Bauchgefühl? – Wie handeln und entscheiden wir wirklich?

Gehirnforschung und Neurowissenschaften zeigen: dieses Entweder-Oder gibt es gar nicht. Weder kann ein Mensch je nach Situation emotional oder rational agieren, noch gibt es von Haus aus emotionale oder vernunftbetonte Menschen. Unser Gehirn funktioniert immer und bei jedem in der gleichen Weise. Doch der Reihe nach …

Für vernünftiges Abwägen von Pros und Kontras, sowie rationale Analysen ist unsere Großhirnrinde (der Cortex) zuständig. Er wird immer dann aktiv, wenn wir große Mengen an Daten verarbeiten und beurteilen, verschiedenartige in unserem Gedächtnis gespeicherte Inhalte zusammenführen und Vorgehensweisen in bisher unbekannten Situationen bestimmen wollen.


Stellen wir uns nur vor, wir wollten uns ein Produkt kaufen, das einen bestimmten Zweck erfüllen soll. Bei unserer Suche stoßen wir auf mehrere Anbieter, die ähnliche Waren feilbieten. Preis, Design, Bedienung, Funktionsumfang, Qualität, Lebensdauer, Verfügbarkeit, … - überall verschieden und nicht direkt vergleichbar.

 

In dieser komplexen Entscheidungssituation wird klar, dass wir ohne Vernunft und Verstand nicht weiterkommen. Nur mit unserer Ratio können wir die verschiedenen Faktoren umsichtig beurteilen, Konsequenzen einschätzen und so zur Wahl des für uns besten Produkts kommen.

Das Problem dabei ist allerdings: langes Nachdenken und vernünftiges Abwägen von Alternativen, sowie deren Konsequenzen, führt leider nicht automatisch zu vernünftigen Entscheidungen.

Grund dafür ist ein anderer Teil unseres Gehirns – das Limbische System als Sitz unserer emotionalen Verhaltenssteuerung (Grundbedürfnisse des Lebens, Affekte, Gefühle). Denn nur das Limbische System hat einen direkten Zugriff auf jene Systeme in unserem Gehirn, die letztlich unser Handeln bestimmen. Gegenüber dem rationalen Cortex hat es das erste und das letzte Wort: das erste, wenn es um unsere Wünsche, Vorstellungen und Ziele geht, und das letzte bei der Entscheidung darüber, was schließlich getan werden soll.

Wir könnten auch sagen: Vernunft und Verstand erteilen lediglich Ratschläge, die vom Limbischen System nur dann herangezogen werden, wenn sie emotional akzeptabel sind. Am Ende eines rationalen Entscheidungsprozesses steht also immer eine emotionale Handlung. Wann immer wir demnach das Gefühl haben, wir hätten etwas genau so und nicht anders gewollt, dann ist das einzig Richtige daran – dieses Gefühl!


PS: Vernunft und Verstand sitzen genauer gesagt im Stirnhirn (prä- und orbitofrontaler Cortex), das sich erst mit oder nach der Pubertät entwickelt – es ist also völlig sinnlos, Kinder zu vernünftigem Handeln aufzufordern ...

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